The Message

Moustapha Akkad | 1977 | 177 Min. | EN/de
04.11.2021 | Kulturbetrieb Royal, Bahnhofstrasse 39, 5400 Baden | 19:00 Uhr | Facebook Event

Diplomatische Störmanöver, Bombendrohungen und Geiselnahmen: Moustapha Akkads Film über das Leben Muhammads und die frühe Phase des Islams sorgte in den 1970er Jahren für Furore. 40 Jahre später gilt «The Message» insbesondere in der muslimischen Welt als Filmklassiker. Reinhard Schulze, Professor für Islamwissenschaft an der Universität Bern, erläutert die vielschichtigen Rezeptionen von «The Message» in seinem Einstiegsreferat.

Moustapha Akkads «The Message» ist in vielerlei Hinsicht ein monumentales Werk. Akkad nahm sich vor, das Leben des Propheten Muhammad auf Leinwand zu bringen, ohne jedoch gegen das muslimische Bilderverbot zu verstossen. Um unterschiedlichen Zielpubliken gerecht zu werden, produzierte er die Aufnahmen parallel mit zwei unterschiedlichen Ensembles, einmal in englischer und einmal in arabischer Sprache. So entstanden de facto zwei unterschiedliche Filme mit unterschiedlicher Besetzung. Die englische Fassung (alternativ auch unter dem Titel «Mohammad, Messenger of God» angekündigt) dauert 178 Minuten. Die arabische Version («ar-Risāla») entfaltet sich über eine Spielzeit von 207 Minuten. Für den englischsprachigen Cast konnten seinerzeitige Filmstars wie Anthony Quinn, Irene Papas, Michael Ansara und Lamine Johnny Sekka gewonnen werden.

Monumental waren auch die Auswirkungen des Skandalisierungsprozesses um «The Message». Akkad suchte für sein Drehbuch die Unterstützung und den Rat muslimischer Religionsgelehrter. Ein respektvoller Umgang mit der islamischen Frühgeschichte und eine würdige Darstellung des Propheten Muhammad waren sein erklärtes Ziel. Die einflussreiche Al-Azhar Universität in Kairo unterstützte sein Projekt explizit. Auf der anderen Seite kritisierte die politisch einflussreiche Muslim World League in Mekka den Dreh und verursachte damit, dass bereits zugesagte Fördergelder – etwa durch den Emir von Kuwait – zurückgezogen wurden. Generell wurde die Förderung des Films zu einem Politikum unter arabischen Staatsoberhäuptern. Der marokkanische König Hassan II. sicherte Akkad zunächst seine volle Unterstützung zu. Als das Königshaus von Saudi-Arabien Druck ausübte, mussten die Dreharbeiten in Marokko wieder abgebrochen werden. Muammar al-Gaddafi wiederum liess sich von der saudischen Kulturpolitik wenig beirren, gestattete die Fortsetzung der Dreharbeiten in Libyen und übernahm einen Grossteil der Produktionskosten.

In Übereinstimmung mit dem im Islam mehrheitlich praktizierten Bilderverbot verzichtete Akkad darauf, Muhammad bildlich darzustellen. Stattdessen kommen Lichteffekte und feierliche Musik zum Einsatz. Dasselbe gilt für die Abbildung seiner Frauen, Töchter und Schwiegersöhne, sowie der ersten Kalifen. Muhammads Präsenz wird durch die (kameratechnische) Einnahme seiner Perspektive, die Wiederholung seiner Worte durch andere Protagonisten oder die Inszenierung seines Kamels markiert. Gerüchte um einen Verstoss gegen das «Abbildungsverbot» hielten sich dennoch. Viele Kinos, die den Film ins Programm aufnahmen, wurden zum Ziel von Demonstrationen und Bombendrohungen. Besonders tragisch waren die Washingtoner Ereignisse: Das Hanafi Movement, eine Splittergruppe der Nation of Islam, versuchte die Aufführung des Films in der US-amerikanischen Hauptstadt zu verhindern, indem sie das Rathaus, das Islam Center of Washington und die Zentrale der jüdischen B’nai B’rith-Loge besetzten, 149 Geiseln nahmen und damit drohten, die drei Gebäude in die Luft zu sprengen. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.

Zwar erliessen in den 1970er Jahren viele muslimische Länder Zensurmassnahmen gegen den Film; Raubkopien zirkulierten trotzdem. Heute ist «The Message» fester Bestandteil von Fernsehprogrammen. Moustapha Akkads Sohn, Malek Akkad, liess ihn hochaufgelöst in 4K-Format restaurieren und brachte ihn 2018 zum muslimischen Hochfest Eid-al-Fitr in die Kinos der arabischen Welt. Reinhard Schulze, Professor für Islamwissenschaft an der Universität Bern, erläutert die vielschichten Rezeptionen von «The Message» in seinem Einstiegsreferat.

Der Film wird im Rahmen der schweizweiten «Woche der Religionen» gezeigt. Aufgrund der Überlänge des Films, beginnt «royalscandalcinema» bereits um 19.00 Uhr. Türöffnung ist um 18.30 Uhr.