VERSCHOBEN! | Paths of Glory

Stanley Kubrick | 1957 | 87 Min. | EN/de
02.04.2020 | Kulturbetrieb Royal, Bahnhofstrasse 39, 5400 Baden | 20.00 Uhr | Facebook Event

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DIE GEPLANTE VORFÜHRUNG VON PATHS OF GLORY AM 2. APRIL 2020 IST BIS AUF WEITERES VERSCHOBEN. AUFGRUND DES CORONA-VIRUS MUSS DAS KULTURLOKAL ROYAL BADEN SEINE TORE BIS (VORERST) ENDE APRIL 2020 SCHLIESSEN. ÜBER EIN VERSCHIEBEDATUM WERDEN WIR AUF DIESER WEBSEITE UND AUF UNSEREM FACEBOOK-KANAL UNTER WWW.FACEBOOK.COM/ROYALSCANDALCINEMA INFORMIEREN. BLEIBT GESUND!

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Mit «Paths of Glory» von Stanley Kubrick zeigt «royalscandalcinema» einen der wichtigsten Antikriegsfilme überhaupt. Der Film versetzte nicht nur die französische Generalität in Rage; auch der Schweizerische Bundesrat stellte sich gegen eine Aufführung – in einer Zeit, in welcher Filmzensur eine kantonale Angelegenheit war. Eine spannende Geschichte, eingeführt durch Monika Dommann, Professorin für Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich.

Schonungslos zeigt der Film die Brutalität des Stellungskriegs auf, welche die Westfront des 1. Weltkriegs geprägt hat, mit Verlusten in Millionenhöhe. Explizit ist auch seine Kritik an der Unmenschlichkeit der Militärjustiz und der Unfähigkeit der französischen Generalität: Unter starkem gegnerischen Feuer sollte ein Infanterieregiment aus den Schützengräben ins offene Feld stürmen und eine feindliche Stellung einnehmen. Während die erste Angriffswelle auf halber Strecke und unter grossen Verlusten stecken bleibt, schafft es die zweite nicht einmal aus dem Graben. Über die vermeintliche Feigheit der eigenen Truppen erzürnt, befiehlt ein französischer Divisionär der Artillerie auf die eigenen Stellungen zu schiessen. Diese zeigt Rückgrat und widersetzt sich dem Befehl. Der Angriff scheitert. Die französischen Truppen haben grosse Verluste zu beklagen.

Um ein Exempel zu statuieren, befiehlt der Divisionär 100 zufällig ausgewählte Soldaten wegen «Feigheit vor dem Feind» hinzurichten. Der aufrichtige Kommandant des Regiments (meisterhaft gespielt durch den kürzlich verstorbenen Kirk Douglas) stellt sich vor sein Regiment und argumentiert, wenn ein Exempel statuiert werden solle, solle man nicht seine Soldaten, sondern ihn hinrichten. Eine Debatte innerhalb der Generalität dezimiert die Zahl der Angeklagten darauf auf zwei Soldaten und einen Korporal, wovon einer durch Los, einer durch moralische Massstäbe und einer durch Offizierswillkür bestimmt wird. Der am Angriff beteiligte Regimentskommandant – in seinem Zivilleben ein Anwalt – verteidigt die drei mit Verve und einem entschiedenen Plädoyer für die Menschlichkeit und gegen die Todesstrafe. Der Titel des Films (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Humphrey Cobb) ist dem Gedicht «Elegy Written in a Country Church-yard» von Thomas Gray: «The paths of glory lead but to the grave».

Der Film wurde unterschiedlich rezipiert und verzeichnet eine spannende Zensurgeschichte. In Frankreich wurde der Film erst 1975 (18 Jahre nach der Erstaufführung) gezeigt. Zwar wurde er nie offiziell verboten, der Verleih legte ihn den Zensurbehörden gar nicht erst vor. In Belgien kam es zu massiven Protesten und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Militärangehörigen auf der einen Seite und militärkritischen Studierenden auf der anderen Seite. Ein Aufführungsverbot wurde im (militärisch verwalteten) französischen Sektor von Westberlin erlassen, welches jedoch nur 5 Monate bestehen blieb. Als «antimilitaristisches» Pamphlet wurde er auch in Israel und im franquistischen Spanien verboten. Mit Auflagen versehen wurde er in Grossbritannien, Australien und Neuseeland gezeigt.

Auf Anfrage mehrerer Kantonsregierungen ordnete die Bundesanwaltschaft die Beschlagnahmung des Filmes an. Der Bundesrat besichtigte den Film und bestätigte das Verbot. Als Grund gab die Regierung an, «der Film wäre geeignet, unsere Beziehungen zu Frankreich zu stören». Max Petitpierre, der damalige Aussenminister, warnte zudem: «C’est un film antimilitariste.» In der medialen Öffentlichkeit wurde der Entscheid zum Gegenstand heftiger Kritik, vom kommunistischen «Vorwärts» bis zur bürgerlich-liberalen NZZ. Autoren wie Frisch und Dürrenmatt protestierten gegen die staatliche Zensur. Die Basler Fasnacht machte das Verbot zum Sujet. Ein parlamentarischer Vorstoss forderte die Freigabe des Films. Der Bundesrat blieb stur. «Paths of Glory» blieb für mehr als 10 Jahre auf dem Index. Als der Film im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, erhielt das Deutschschweizer Publikum die Möglichkeit zur Sichtung.

Der Regisseur Stanley Kubrick wurde durch «Paths of Glory» weltberühmt. In einem Interview mit «The New York Times» erzählte er: «Man isn’t a noble savage, he’s an ignoble savage. He is irrational, brutal, weak, silly, unable to be objective about anything where his own interests are involved – that about sums it up. I’m interested in the brutal and violent nature of man because it’s a true picture of him. And any attempt to create social institutions on a false view of the nature of man is probably doomed to failure». Von der amerikanischen «Library of Congress» erhielt er das Prädikat «culturally, historically or aesthetically significant».

Die Einführung hält Monika Dommann. Sie ist Professorin für Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich. Davor war sie Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien, am Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung in Weimar, Visiting Professor an der McGill University in Montreal und SNF Förderprofessorin an der Universität Basel. Sie forscht und forschte zur Verflechtungsgeschichte der Karibik, Europas und Nordamerikas, zur Geschichte des Marktes und seiner Grenzen wie zur Geschichte materieller Kulturen und immaterieller Güter.