Das Projekt royalSCANDALcinema

«Aufgabe von Kunst ist es heute,
Chaos in die Ordnung zu bringen.»
Theodor W. Adorno, 1951

Überblick

Kunst darf alles. Kunst muss Grenzen sprengen. Diese Aussage traf im 20. Jahrhundert auf keine Kunstform besser zu als auf das Kino. Im Zeichen des gesellschaftlichen Umbruchs ab der Mitte des letzten Jahrhunderts brachte das Filmschaffen regelmässig neue Skandale hervor, zum Teil unbeabsichtigt, zum Teil bewusst provoziert.

In einer Welt mit strengen Normen und Konventionen reichte oftmals bereits die Thematisierung von Sex, Gewalt, Staat oder Religion für massive Entrüstung und Aufführungsverbote. FilmemacherInnen wurden verteufelt. Bürgerbewegungen sorgten sich um den Erhalt von Sitte und Moral und forderten Zensur. Trotz oder gerade wegen dieser Proteste und der medialen Skandalisierung sind viele Filme in die Annalen der Geschichte eingegangen.

In einer Zeit von ständiger medial erzeugter Empörung haftet dem Skandal etwas Altertümliches an – er wird betrachtet als fester Teil von Boulevard, Unterhaltung und Kommerz. Angst um die Grundfesten der Gesellschaft vermag das Kino kaum mehr zu erzeugen. royalSCANDALcinema unternimmt eine Reise in skandalträchtigere Zeiten, in welchen das Kino noch für Eklat sorgen konnte. Der Zyklus zeigt auf, welche Grenzen unwiderruflich überschritten wurden, welche Bilder heute noch bewegen und geht der Frage nach, wie abgestumpft unsere Gesellschaft denn wirklich ist.

Hintergründe

Das hauptsächliche Ziel von royalSCANDALcinema ist die Erkundung des Skandals, dessen Wirkungsweisen und zeitgeschichtlichen Hintergründe. Vor der Filmvorführung erläutert jeweils eine Fachperson in einem viertelstündigen Referat die Bedeutung des Films, dessen historischen und kulturellen Kontext. Wie wurde der Film in der medialen Öffentlichkeit thematisiert, wie entwickelte sich der Skandal und wie wurde der Film später rezipiert.

Für die Kontextualisierung werden fachkundige Referentinnen und Referenten aus den Bereichen Filmwissenschaft, Geschichte, Religionswissenschaft und Ethnologie hinzugezogen. Nach dem Film in Originalsprache (jeweils mit Untertiteln) ist Raum für eine freie Diskussion mit den Expertinnen und Experten in geselliger Runde vorgesehen. Die Beiträge werden von den Referierenden gegen Ende des Zyklus zu Artikeln verarbeitet und in einem Sammelband publiziert.

Das Kulturlokal Royal ist als Veranstaltungsort ideal geeignet. Das ehemalige Kino erinnert an die Skandalisierung des Films: Als das Kino Radium in den 1910er Jahren erbaut werden sollte, entbrannte eine heftige Debatte über die Sittlichkeit von Lichtspielhäusern. Das katholisch-konservative Aargauer Volksblatt votierte im Mai 1912 gegen den Bau eines Kinos in Baden, da diese «Grossstadtpest […] die Scham ertöten und das Verbrechen verherrlichen würde.» Lehrer, Pfarrer und Politiker bekämpften das Kino aus moralischen Gründen. Die Badener Stadtregierung verbot den Bau. Erst ein Entscheid des Aargauer Regierungsrats, der auf die Handels- und Gewerbefreiheit verwies, ermöglichte das Kino in Baden.

 

Unterstützung

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