6. April 2017: Wehrhafte Schweiz | Ormenis 199+69

Wehrhafte Schweiz
[John Fernhout, 1965, D, 22 Min.]

Ormenis 199+69
[Markus Imhoof, 1969, D, 27 Min.]

Bar 19:30 | Referate und Filme ab 20:00 | Eintritt: Kollekte
Einführungen: Thomas Schärer (Filmhistoriker, Zürcher Hochschule der Künste) und Rudolf Jaun (em. Professor für Geschichte, ETH & Universität Zürich)
Kulturbetrieb Royal, Bahnhofstrasse 39, 5400 Baden

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Es war nicht einfach, in den 1960er-Jahren einen Film über das Schweizer Militär zu drehen. In Zeiten des kalten Krieges und der geistigen Landesverteidigung war die hiesige Armee mit einer halben Million Miliz-Soldaten eine heilige Kuh und Teil der nationalen Identität. Dies mussten auch John Fernhout und Markus Imhoof erfahren.

In «Wehrhafte Schweiz» liess John Fernhout die Schweizer Armee aus allen Rohren schiessen. Fliegerangriffe, Explosionen und rasante Kamerafahrten sollten die Besucher der Expo 64 in den Bann ziehen. Das Werk wurde von verschiedenen Seiten kritisiert, unter anderem weil in dem actionreichen Film die Miliztradition komplett unterging. Wirklich skandalträchtig war aber die Tatsache, dass ein ausländisches Filmteam den Streifen umsetzen sollte. Das Parlament fürchtete, dass strategische Militärgeheimnisse preisgegeben würden, und die Schweizer Filmschaffenden fühlten sich um einen lukrativen Auftrag geprellt. Trotz allem Tumult wurde der Film an der Expo 64 ein Publikumserfolg und in der Kategorie «Bester Kurzfilm» gar für den Oscar nominiert.

Schlimmer erging es Markus Imhoof, der sich als ehemaliger Kavallerie-Unteroffizier im Dokumentarfilm «Ormenis 199+69» den Schweizer Reitertruppen annahm. Dies zu einer Zeit, in der diskutiert wurde, die Rösseler als unzeitgemässe Truppeneinheit abzuschaffen. Dabei entstand ein Werk, das die einen als poetische Liebeserklärung an die Pferde bezeichneten. Andere stuften den Film jedoch als eine zynische Betrachtung über die Auswüchse einer überfrachteten Milizideologie ein, die sich für die Abschaffung der Kavallerie stark mache. Zu reden gab vor allem eine Szene mit Pferden in Gasmasken. Dies war den Kavallerieverbänden – die den Film ursprünglich finanziell unterstützt hatten – zu viel und sie bewirkten ein Aufführungsverbot, womit der Film lange Zeit nur zensiert und mit gedruckten Richtigstellungen des Artillerieverbands gezeigt werden konnte.

Zusammen mit dem Filmhistoriker Thomas Schärer und dem emeritieren Geschichtsprofessor Rudolf Jaun taucht royalSCANDALcinema in die jüngere Militärgeschichte der Schweiz ein.