2. November 2017: Schatten der Engel

SCHATTEN DER ENGEL
[Daniel Schmid, 1976, D, 101 Minuten]

Bar 20:00 | Referat und Film ab 20:30 | Eintritt: Kollekte
Einführung: Raphael Rauch (Historiker und Journalist, Zürich)
Kulturbetrieb Royal, Bahnhofstrasse 39, 5400 Baden

Ein Jude in der Rolle des bösen Immobilienhais! Bereits Rainer Werner Fassbinders Theaterstück «Der Müll, die Stadt und der Tod» über die damalige Kaputtsanierung des Frankfurter Westends verursachte so viel Tumult, dass es zu dessen Lebzeiten nicht aufgeführt werden konnte. Von allen Seiten hagelte es Antisemitismus-Vorwürfe. Und dass ein Vorsitzender des jüdischen Zentralrats sich im Charakter wiederzuerkennen glaubte, stachelte die Diskussionen zusätzlich an. Als Fassbinder auch ein Filmdarlehen verweigert wurde, sollte sich sein Regiefreund Daniel Schmid um die Verfilmung der Geschichte kümmern. Viel mehr Glück hatte dieser mit dem Stoff jedoch auch nicht. Die israelische Delegation verlangte, dass «Schatten der Engel» von Filmfestival Cannes ausgeschlossen würde und bald darauf verschwand das an den Kinokassen erfolglose Werk in den Filmarchiven.

Dabei wollte Fassbinder in seinem Stück unter anderem gerade darlegen, in welchem gesellschaftlichen Klima Antisemitismus wieder aufblühen kann. Was Schmid dann auch mit schemenhaften Protagonisten umsetzte. Stellvertreter für bekannte Stereotypen innerhalb des Systems: der korrupte Politiker, die schöne Hure, der alte Nazi,… Doch der «reiche Jude» war für die fragile Identitätssuche Deutschlands 30 Jahre nach dem Krieg zu viel.

Dennoch bleibt «Schatten der Engel» ein Meilenstein der Deutschen Filmgeschichte – als ein gescheiterter Versuch die historische Schuld mit der damaligen deutschen Realität zusammenzubringen. Ein Versuch, den royalSCANDALcinema gemeinsam mit dem Historiker und Journalisten Raphael Rauch gerne wieder aufnimmt.

SCHATTEN DER ENGEL

Lily Brest – schön, zerbrechlich, lungenkrank – geht auf den Strich, meist vergeblich. Eines Tages taucht der «reiche Jude» auf – Immobilienspekulant, Freund des Polizeipräsidenten – und bezahlt Lily fürs blosse Zuhören 1000 Mark. Ein Betrag, der Raoul, ihr Zuhälter und Freund verzweifeln lässt. Auf den Rat des «reichen Juden» spezialisiert sich Lily aufs Zuhören und gewinnt als Müllschlucker der Mächtigen selbst an Reichtum und Macht. Ein Zustand, den Raoul nicht aushält.

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