1. März 2018: All Quiet on the Western Front

ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT
[LEWIS MILESTONE, 1930, EN/DE, 152 MINUTEN]

Bar 20:00 | Referat und Film ab 20:30 | Eintritt: Kollekte
Einführung: Elisabeth Bronfen (Professorin für Anglistik, Universität Zürich)

Kulturbetrieb Royal, Bahnhofstrasse 39, 5400 Baden

 

Ein bewegender Antikriegsfilm, von nationalistischen Parteien und Verbänden als defätistische Militärkritik und als Zersetzung der Wehrkraft diffamiert, eingeführt und kontextualisiert durch die international renommierte Anglistik-Professorin und Filmexpertin Elisabeth Bronfen.

«All Quiet on the Western Front» ist ein US-amerikanischer Antikriegsfilm aus dem Jahr 1930, basierend auf Erich Maria Remarques Roman «Im Westen nichts Neues». Der Film handelt von den grausamen Fronterlebnissen des jungen Kriegsfreiwilligen Paul Bäumer und seiner Kameraden im Ersten Weltkrieg. Er gilt bis heute als einer der bekanntesten und eindrücklichsten Antikriegsfilme, ausgezeichnet mit zwei Academy Awards, dem Oscar für die beste Regie für Lewis Milestone und dem Oscar für den besten Film.

Filmkritiker in den USA und in England lobten den Film in höchsten Tönen. Der britische Telegraph etwa schrieb begeistert: «Es ist der bei weitem beste Spielfilm, der je gedreht wurde […] ob Ton- oder Stummfilm.» Im Deutschen Reich wurde der Film, wie zuvor schon das Buch, weniger enthusiastisch aufgenommen. Insbesondere die politische Rechte und die Veteranenverbände sahen darin einen Angriff auf die «Ehre des deutschen Soldaten». Das Reichswehrministerium protestierte gegen den Film, da er der Zersetzung der Wehrkraft Vorschub leiste. Deutsche Soldaten, die am Sinn ihres Einsatzes zweifelten, sollten im Kino auf keinen Fall gezeigt werden.

Die Tatsache, dass Regisseur Lewis Milestone und Produzent Carl Laemmle beides Juden waren, wurde von antisemitischen Kreisen ausgeschlachtet, um ihre Theorie einer jüdischen Verschwörung gegen das Deutschtum zu propagieren. Als der Film im Deutschen Reich in die Kinos kam, war er um diverse Szenen verkürzt. So wurden beispielsweise Szenen geschnitten, in welchen die Rekruten gegen Schinderoffiziere rebellierten und aus dem Vorspann wurden die Namen jüdischer Mitwirkender getilgt. Insgesamt verkürzte sich der Film dadurch um 53 Minuten.

«All Quiet on the Western Front» wurde aber auch in anderen Ländern geschnitten, in Frankreich etwa wurden Liebensszenen zwischen französischen Zivilistinnen und deutschen Soldaten entfernt. In Berlin kauften sich Nationalsozialisten Tickets und sprengten die Vorführungen, indem sie in den Kinos Rauch- oder Stinkbomben zündeten oder Massenaufläufe und Krawalle organisierten. Mit Verweis auf die (selber organisierten) Ausschreitungen forderte die NS-Presse ein Aufführungsverbot, da der Film die öffentliche Ordnung gefährde. Eine Woche nach der Erstaufführung wurde der Film im Deutschen Reich dann tatsächlich verboten, mit Verweis auf die von ihm ausgehenden «Gefährdung des deutschen Ansehens in der Welt», der «Herabsetzung der deutschen Reichswehr» und seiner «ungehemmten pazifistischen Tendenz». Das wiederum führte zu massiven Protesten von Kulturschaffenden und linken Parteien, worauf der Film – nach nochmaliger Kürzung – wiederum gezeigt werden konnte. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde «Im Westen nichts Neues» erneut verboten. Vorführungsverbote wurden auch in Italien, in Österreich, in der Sowjetunion und später in Frankreich erlassen. Das Filmstudio Universal brachte immer wieder neue, kürzere Fassungen des Films heraus. Schleiferszenen wurden weggelassen, kommentierte Dokumentaraufnahmen wurden eingeschnitten. Bild- und Tonveränderungen während der Zeit des Koreakrieges machten aus dem Antikriegsfilm schliesslich einen reinen Kriegsfilm.

royalSCANDALcinema zeigt den Film in seiner Originalfassung mit einer Einführung durch Elisabeth Bronfen. Bronfen ist Professorin für Anglistik am Englischen Seminar der Universität Zürich und Global Distinguished Professor an der New York University. Sie forscht zur englischsprachigen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, zu Gender Studies, Visuellen Kulturen, Kulturtheorien, Psychoanalyse und Film. In «Hollywoods Kriege. Geschichte einer Heimsuchung» setzte sie sich intensiv mit der filmischen Aufarbeitung der US-amerikanischen Kriegsgeschichte auseinander.

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